Alter schützt vor Tempo nicht
Der Spanier Fernando Alonso ist der Evergreen in der Formel 1. Mit 45 Jahren ist er aktuell der älteste Pilot im GP-Zirkus. Am vergangenen Wochenende zeigte er aber, dass er nach wie vor schnell ist.
Die besten Zeiten hat Alonso hinter sich. 2005 und 2006 wurde er Weltmeister, damals raste er im Renault den Gegnern davon. Später fuhr er auch noch für Ferrari, McLaren und Alpine und seit 2023 für Aston Martin. 441 GP-Starts hat der Spanier bereits auf seinem Konto – es ist der Rekord. Die Nummer 2 in diesem Ranking: Sir Lewis Hamilton mit 396 Starts.
Beeindruckende Statistiken
Alonso ist einer der ganz Grossen in seinem Metier, was auch durch weitere Zahlen unterstrichen wird: Mit 32 GP-Siegen ist er die Nummer 7 in der Bestenliste. Seine 22 Pole-Positions bedeuten Rang 15, seine 26 schnellsten Rennrunden bringen ihn auf den neunten Platz. 106 Mal fuhr er aufs Podest (Rang 5).
Doch in den letzten Jahren stotterte sein Erfolgsmotor. Den letzten Sieg feierte Alonso 2013 in Spanien, am 5. November 2023 stand er beim Grand Prix von São Paulo in Interlagos letztmals auf dem Formel-1-Podest. Er wurde im Aston Martin Dritter hinter Max Verstappen und Lando Norris und setzte sich dabei in einem spektakulären Schlussduell hauchdünn gegen Sergio Perez durch.
In dieser Saison sah es für den einstigen Champion lange düster aus. Zu Saisonbeginn war der Aston Martin zuerst quasi unfahrbar und hatte so starke Vibrationen, dass man sich um die Gesundheit der Fahrer Sorgen machte. Alonso könne nur 25 Runden am Stück fahren, hiess es noch vor einigen Monaten, sonst riskiere er bleibende Nervenschäden. Sein Teamkollege Lance Stroll setze die Grenze sogar bei 15 aufeinanderfolgenden Runden. «Ich denke, im Auto lässt sich alles überwinden. Es gibt keine Beschränkung, die dafür sorgt, dass du das Auto nicht mehr spürst, aber es ist sicherlich ungewöhnlich und sollte auch nicht auftauchen. Und wir wissen nicht, welche Folgen es haben würde, wenn wir monatelang damit konfrontiert werden würden. Wir müssen also eine Lösung finden», sagte der Altmeister damals.
Ausrufezeichen in Sepang
Die Lösung wurde ganz offensichtlich gefunden. In Monaco und Zandvoort gelang dem Spanier, was einige Wochen zuvor noch niemand für möglich gehalten hätte: Er fuhr mit den Rängen 10 und 9 in die Punkte. Und am letzten Wochenende setzte er beim in Sepang ausgetragenen GP von Bahrain ein fettes Ausrufezeichen, fuhr auf den achten Platz.
Es war das beste Saisonergebnis für Aston Martin, und dies, obwohl Alonso mit Slicks gestartet war, was ihn wie einige andere Piloten schon ganz früh im Rennen zurückwarf. «Wir waren schneller als die Ferraris, die ebenfalls mit Slicks gestartet waren», sagte Alonso später. «Ich habe Hamilton überholt, mich von ihm abgesetzt und dachte mir: Okay, das läuft ja ganz gut.» Die Pace sei in Ordnung gewesen, «aber ich hatte mit viel Übersteuern zu kämpfen. Wir haben eine kleine Anpassung am Frontflügel vorgenommen, doch auch das hat nicht wirklich geholfen. Mit dem Resultat bin ich also zufrieden, aber wir haben noch viel Arbeit vor uns».
Alonso erwähnte zudem, dass die Performance des Autos streckenspezifisch war und der Circuit in Singapur, wo der GP-Zirkus am kommenden Wochenende gastiert, dem Aston Martin noch besser liegen dürfte. «Aber dann gibt es Rennwochenenden, an denen wir einfach nicht konkurrenzfähig sind, und das müssen wir akzeptieren.»
Das Feuer brennt
Wie es Alonso in Singapur laufen wird, bleibt abzuwarten. Klar ist aber jetzt schon, dass der älteste und dienstälteste der aktuellen Formel-1-Piloten auch in Zukunft im GP-Zirkus dabei sein wird: Er hat seinen Vertrag bei Aston Martin um eine weitere Saison verlängert. «Am Ende des Tages fühle ich mich schnell, ich bin motiviert und ich spüre, dass mir das, was ich tue, Spass macht», begründete er seinen Entscheid.
«Wenn ich zu Hause auf der Couch sitze, fernsehe und die Rennen verfolge, würde ich das Gefühl haben, dass ich es besser machen kann als sie.» Genau das habe er auch gespürt, als er die Formel 1 vorübergehend verlassen hatte und zwischen 2019 und 2021 die Rennen von aussen verfolgte. «Ich habe tief in mir einfach immer dieses Feuer gespürt, dort zu sein und zu versuchen, es besser zu machen. Und dieses Feuer spüre ich auch jetzt noch. Ich habe mir gesagt: Solange ich das in mir trage, ist es nicht an der Zeit aufzuhören.»
Das freut natürlich die Fans, die Alonso so weiterhin in der Formel 1 bewundern können. Dass der Spanier das Benzin im Blut hat und Abenteuer und Adrenalinkicks sucht, zeigt sich auch daran, dass spanische Medien berichten, dass Alonso 2027 bei der Dakar-Rallye starten will, die vom 1. bis 15. Januar in Saudi-Arabien stattfinden soll.