Der Kampf ums Momentum
Qualifikationssieger Lausanne und Rekordmeister HCD haben nach dem verlorenen ersten Playoff-Halbfinalspiel zurückgeschlagen und sich in ihrer Serie zurückgemeldet. Nun sind die ZSC Lions und Gottéron wieder gefordert.
Gottéron hatte mit dem Auswärtssieg in Spiel 1 den Teppich ausgerollt, um die Waadtländer in die Enge zu treiben. Doch der nächste Schritt blieb am Dienstag aus. Denkbar knapp zwar, mit einem 0:1 nach einem Gegentreffer von Lausanne-Stürmer Ken Jäger in der 54. Minute, aber am Ende spielt das Resultat in den Playoffs keine Rolle, zählen einzig Sieg und Niederlage.
Gottéron kam in diesem Spiel im Mitteldrittel vom Weg ab, hatte in der neutralen Zone den Gegner weniger im Griff und liess ihn so besser ins Spiel kommen. «Wir können es besser als das, was wir im zweiten Drittel gezeigt haben», sagte Gottéron-Stürmer Christoph Bertschy später. «Wir waren defensiv nicht so stark wie sonst. Es wurde zwar nicht wirklich brenzlig, aber es war irgendwie komisch.»
Der Ausfall von Wallmark
Eine Niederlage ist noch kein Beinbruch, sondern erst der Ausgleich in der Serie, in der Gottérn bislang gezeigt hat, dass der Gewinner der Regular Season eine überwindbare Hürde ist. Allerdings hängt das auch vom Wettkampfglück respektive vom Verletzungspech ab. Für den gerade auch für die defensive Stabilität so wichtigen schwedischen Center Jacob de la Rose ist die Saison aufgrund einer Verletzung bereits zu Ende. Und am Dienstag musste auch sein Landsmann Lucas Wallmark, Gottérons Topskorer der Regular Season, bei Spielhälfte nach einen Check von Lausanne-Haudegen Aurélien Marti vorzeitig unter die Dusche.
Wie allgemein üblich, äusserte sich nach dem Spiel niemand von Gottéron über die Verletzung Wallmarks. Die Frage, ob der Schwede am Donnerstag in Spiel 3 in Lausanne wieder mittun könne, beantwortete Coach Lars Leuenberger wie erwartet nichtssagend: «Wir wissen es nicht. Wir alle kennen das Spiel: Es sind Playoffs.» Spieler zu verlieren, gehöre dazu. Er werde die Partie nochmals anschauen und analysieren, weshalb Lausanne im Mitteldrittel zurück ins Spiel gefunden hat. Stürmer Christoph Bertschy wies darauf hin, dass es in der Serie nun 1:1 steht und sagte: «Es ist nichts passiert.» Am Donnerstag ist dennoch eine Reaktion gefragt, sollte das Momentum wieder nach Freiburg wechseln, denn sonst kann es schnell gehen, wie ein Blick ins letzte Jahr zeigt. Auch damals entschied Gottéron Spiel 1 für sich, glich Lausanne aus – und liess danach drei weitere Siege folgen und zog in den Final ein.
Davoser Reaktion und Zürcher Fehler
Wie Lausanne hat auch der HC Davos in den Halbfinals wieder eingestempelt. Die Bündner reagierten auf die klare 1:6-Niederlage im ersten Duell und gewannen daheim gegen Titelverteidiger ZSC Lions mit 4:3. Wobei die Zürcher durch zwei Fehler (durch Derek Grant und Santtu Kinnunen) grosszgig mithalfen und auch Dean Kukan beim entscheidenden Treffer von Matej Stransky keine gute Figur abgab. Drei Puckverluste in der eigenen Zone waren für die Lions zu viel, daran konnte auch nichts ändern, dass sie einen 0:3-Rückstand wettmachen konnten und die Bündner teilweise scheinbar spielerisch leicht aushebeln konnten.
Entscheidend war, dass der HCD im Vergleich zum ersten Duell mit mehr Intensität ans Werk ging, die Lions früh unter Druck setzte, presste, störte und nervte und so zu Fehler zwang. Die Bündner haben dank diesem Sieg neuen Mut geschöpft. «Wir haben Härte ins Spiel gebracht, waren schneller, haben Druck gemacht», erklärte Simon Knak, der Schütze des entscheidenden Tores 64 vor Schluss, nach dem Spiel.
Grund, nervös zu werden, besteht für das Team von Marco Bayer wegen der Niederlage nicht. Es steht 1:1 und die Zürcher haben gezeigt, wozu sie gerade in der Offensive fähig sind. «Man sah, was passiert, wenn wir aufs Gaspedal drücken», so Headcoach Bayer. «Wir werden die Fehler ansprechen, aber all das macht auch Mut», sagte Bayer. So weit, so gut, eine Reaktion im Heinspiel am Donnerstag ist aber nötig, um den neuen Elan beim HCD gleich wieder zu bremsen und das so oft bemühte und zitierte Momentum auf die eigene Seite zurückzuholen.