Die Kritik in puncto Konstanz ist zwar berechtigt, sportlich und insbesondere wirtschaftlich wäre ein ablösefreier Sane-Abgang jedoch fahrlässig. Ein Kommentar von Sky Reporter Kerry Hau.
Er wartet. Und wartet. Und wartet. Obwohl sein Vertrag in weniger als drei Monaten ausläuft, bleibt Leroy Sane geduldig und betont nicht nur regelmässig nach Spielen am Sky Mikrofon, dass er gerne beim FC Bayern verlängern möchte.
Trainerteam, Mitspieler, Verantwortliche - sie alle wissen, wie wohl sich Sane in der Mannschaft fühlt und wie sehr er sich einen Verbleib in München über den Sommer hinaus wünscht.
Er hat insbesondere über die letzten zwei Jahre mehrere Freundschaften im Team geschlossen und zugleich eine Verbundenheit zum Klub entwickelt. Sane ist dafür sogar bereit, auf ein gutes Drittel seines derzeitigen Gehalts - das inklusive Prämien bei rund 20 Millionen Euro pro Jahr liegen soll - zu verzichten und einen stark leistungsbezogenen Vertrag zu unterschreiben. Viel grösser kann ein Treuebekenntnis nicht sein!
Vorwurf: Sane ist nicht konstant genug!
Doch die Bayern-Bosse lassen ihn nach wie vor im Unklaren. Die Personalie spaltet eben nicht nur viele Fans, sondern auch die Führungsriege. Im Vorstand und im Aufsichtsrat gibt es Skeptiker, die finden: Sane ist nicht konstant genug!
Dieser Vorwurf ist berechtigt. Sane weiss auch selbst, dass er die hohen Erwartungen in seinen fast fünf Jahren beim FCB nur phasenweise erfüllen konnte und selten über eine komplette Saison der Spektakel-Spieler war, der er sein kann.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Der 29-Jährige hatte 2024 mit langwierigen Schambeinproblemen zu kämpfen und lieferte trotzdem in grossen Spielen, beispielsweise im Viertelfinale der Königsklasse gegen den FC Arsenal sowie auch im Hinspiel des Halbfinals gegen Real Madrid, ab.
Und er ist in dieser Spielzeit - nicht nur mit Blick auf seine Scorerpunkte (11 Tore, 4 Vorlagen) - nach Super-Neuzugang Michael Olise (13 Tore, 14 Vorlagen) der beste Flügelspieler im Kader. Er performt besser als Kingsley Coman (6 Tore, 4 Vorlagen) und Serge Gnabry (5 Tore, 5 Vorlagen), die sich auf derselben Gehaltsstufe befinden wie Sane - und im Gegensatz zu ihm noch eine Ablöse einbringen könnten.
Daher wäre es neben der sportlichen Komponente vor allem aus wirtschaftlicher Sicht fahrlässig, einen Spieler von dieser Qualität ablösefrei ziehen zu lassen!
Sane hat in 211 Spielen für die Bayern 109 Scorerpunkte (59 Treffer, 50 Assists) gesammelt. Das sind keine Zahlen eines Fehleinkaufs. Diese Qualität müssen die Bosse um Max Eberl und Christoph Freund erst einmal wieder auf dem Markt ausfindig machen. Hinzu käme für einen Neuzugang dann auch noch ein stolzes Gehalt. Wohl kaum ein Top-Flügelspieler aus einer europäischen Top-Liga würde sich mit weniger Gehalt als Sane zufriedengeben.
Mein Vorschlag an die Bosse
Ich bin mir sicher: Würde Sane jetzt bei einem anderen europäischen Spitzenverein spielen und im Sommer ablösefrei auf den Markt kommen, wäre der FC Bayern einer der ersten Interessenten.
Mein Vorschlag an die Bosse: Coman oder/und Gnabry verkaufen und stattdessen Sane einen stark leistungsbezogenen Vertrag, beispielsweise über drei Jahre, anbieten!
Dafür bringt er zu viel Qualität mit, dafür ist er mittlerweile auch zu sehr ins Teamgefüge integriert - und hat obendrein einen engen, vertrauensvollen Draht zu seinem Trainer und früheren Mitspieler Vincent Kompany.
Auch wegen Kompany wartet Sane auf die Bayern. Übt sich in Geduld. Hofft auf ein Vertragsangebot. Fraglich aber, wie lange noch. Arsenal-Trainer Mikel Arteta, den er ebenso wie Kompany noch aus seiner Zeit bei Manchester City kennt, lockt ihn mit einem sportlich sehr interessanten Projekt. Für die Bundesliga wäre es schade, würde so ein Spieler künftig wieder im Ausland für Furore sorgen.